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iPhone: Wenn Apple die Software ablehnt

September 27th, 2008

Mit Version 2 der iPhone Software ermöglichte Apple es Entwicklern Software für das iPhone zu programmieren und über den Apple-Eignen “AppStore” zu verkaufen. Apple übernimmt dabei absolut alles und so bekommen die Entwickler 70% der Einnahmen und Apple behält 30% für die Server, die Zahlungsabwicklung & Co.

Soweit schon mal nicht schlecht, wenn Apple nicht ab und zu das Bedürfnis hätte, Programme einfach abzulehnen und jetzt verbietet Apple es sogar die Gründe dafür im Internet zu veröffentlichen-

Angefangen hat Apple’s Ablehnwut mit einigen Applikationen wie “I AM RICH“, der US$ 999.99 Applikation, die nichts konnte, noch nicht mal Orthographie. Blöd nur, dass einige Leute tatsächlich so blöd waren das Ding zu kaufen.

Es ging weiter mit Netshare von Nullriver Software. Erst konnte man das gute Softwarestück kaufen, dann wieder nicht und dann doch wieder und zum Schluß war es wieder weg. Am 13. September hat Apple es dann ganz offiziell gemacht, Applikationen die Tethering ermöglichen verkauft man nicht.

(Tethering erlaubt es die Netzwerkverbindung des Mobiltelefons mit einem anderen Gerät, z.B. einem Laptop, zu nutzen)

Auch hier konnte man noch verstehen, warum die Applikation nicht von Apple gewünscht ist, schließlich ist in den USA Tethering im Mobilfunkvertrag von AT&T gar nicht erlaubt. Warum uns allen diese Applikation vorenthalten bleibt, bleibt nun das Geheimnis von Apple.

Einige weitere Ablehnungen konnte man noch verkraften “Slasher” musste gehn, weil es keinen echten Sinn hatte und Gewalt verherrlichte. Und “Pull My Finger” war wohl zu anstößig, denn Furzgeräusche muss das iPhone nun wirklich nicht machen. Der Ablehnungsgrund “Limited Utility”.

Ob so eine Applikation nützlich ist oder nicht, darüber kann man sicherlich streiten, aber deswegen gleich die Aufnahme in den AppStore zu verweigern, ist schon ein bisserl blöd. Aber gut, auch damit kann man leben.

Die wahre Frage, ob es Apple noch gut geht, stellte sich dann jedoch bei den Programmen “Mailwrangler” und “Podcaster“.

Mailwrangler hätte es Dir erlaubt mit mehren GMail-Konten gleichzeitig zu arbeiten und hätte dabei einige Funktionen übernommen, die in Apples Mail.app einfach nicht hinbekommt. Dennoch erklärte Apple kurz un knapp:

… Your application duplicates the functionality of the built-in iPhone application Mail without providing sufficient differentiation or added functionality, which will lead to user confusion. …

Podcaster wäre das Programm gewesen, dass mich dazu gebracht hätte einen iPod Touch zu kaufen. Podcasts direkt auf dem iPhone (iPod Touch) abonnieren und herunterladen. Das können beide Geräte nicht, dennoch meinte Apple mal wieder kurz und knapp:

Since Podcaster assists in the distribution of podcasts, it duplicates the functionality of the Podcast section of iTunes.

Nun gut, aber das iPhone kann es doch gar nicht, nur iTunes auf dem Desktop-Computer kann es. Vielleicht will Apple diese Funktion ja ganz bald herausbringen, aber so langsam wird die Geschichte blöd.

Schade nur, dass wir in Zukunft von den Geschichten gar nix mehr hören werden, denn die Ablehnungsschreiben, so Apple, sind von der NDA (Non Disclosure Agreement) abgedeckt und dürfen so nicht herausposaunt werden.

Ich hätte eigentlich gar nix dagegen, nur gibt es da zwei Dinge, die mir und vielen anderen zu denken geben. So diskutierte der MacJury in seiner Ausgabe 822 hierüber ausführlich.

Hier kurz meine beiden Lieblingsargumente:

Apple hat keine klaren Regeln was veröffentlicht wird, und was nicht

Lasst uns für den Moment ignorieren, dass Apple von allen Entwicklern US$ 99 kassiert, damit man überhaupt eine Software im Appstore verkaufen kann. Es geht viel mehr darum, dass Apple keine echten Richtlinien hat, was veröffentlicht werden kann und was nicht.

Wenn man sich das Argument ansieht, dass bereits bestehende Funktionen dupliziert werde – was ist nur mit den ganzen Taschenrechnern und Wetter-Widgets? Duplizieren die nicht auch Funktionen, die es im iPhone schon gibt?

Also daran liegt es nicht – wir legen noch eins drauf.

Appstore-Entwickler enwickeln auf eigenes Risiko und werden dann plötzlich ohne richtig guten Grund abgelehnt. Hätte Apple klare Regeln könnte ein Entwickler schnell rausfinden, ob sich der Aufwand lohnt, aber so lässt Apple seine Entwickler ein wenig im Unklaren und das kann die armen Leute richtig Geld kosten.

Warum ist Apple gegen Wettbewerb?

Selbst wenn Apple eine Applikation sieht, die bestehende Funktionen dupliziert, warum darf der Kunde nicht selbst entscheiden, ob einem eine Software nicht vielleicht besser gefällt. Ich schreibe diesen Blog-Post in Firefox, weil mir Safari nicht gefällt. Darüber kann man sich streiten, aber es ist meine Entscheidung und auf dem Mac ist das OK, auf dem iPhone nicht.

Es wäre auch alles ok, wenn es noch andere Möglichkeiten gäbe Software auf das iPhone zu bringen. Der Entwickler von Podcaster hatte eine gefunden (AdHoc-Distribution) und bekam das nun verboten. Wenn Apple also bestimmt, was auf dem iPhone laufen darf und den Laden kontrolliert in dem alles verkauft wird, ist das dann nicht ein Monopol? Und sind Monopole nicht was schlechtes?

Apple hat versucht mit dem iTunes Music Store und seinem eigenen DRM-System versucht ein Monopol aufzubauen, aber das klappte nicht. Amazon (in den USA) hat einen erfolgreichen Music Store, ich kann immer noch CDs kaufen und importieren und so ist das alles cool.

Aber für das iPhone gibt es keine anderne Möglichkeiten Software zu kaufen und da bleibt dem Kunden nur zwei Entscheidungen, ich kauf mir ein iPhone, oer ich kauf es mir nicht.

Stell Dir vor, Du kaufst Dir einen BMW und BMW baut ein System ein, dass es Dir erlaubt nur bei ARAL Dein Benzin zu tanken? Wären wir damit glücklich? Wohl nicht, aber es gibt ja noch andere Autos, so wie es andere Telefone gibt.

Also schadet Apple nicht uns Kunden damit, denn wir können einen Blackberry kaufen, oder ein Windows-Mobile-Telefon oder einen treo, oder irgendwann ein Mobiltelefon mit Google Android – also wird das alles irgendwann der Markt entscheiden.

Ich hoffe für Apple nur, dass man sich daran erinnert, dass Wettbewerb was gutes ist. Auch wenn man das iPhone von schlechter Software schützen will, so soll das nicht darin ausarten, dass man den Kunden weniger Auswahlmöglichkeiten gibt, oder gar Bevormundet.

  1. September 27th, 2008 at 22:54 | #1

    Guter und interessanter Beitrag.
    Mich kotzt diese ewige Beschneidung von Kunden derart an.
    Ich hatte echt mal gedacht dass Apple anders ist, aber leider macht es Apple genau so wie die anderen Mafiosis.
    Ich bezahl Geld für die Hardware und ich will selbst bestimmen was ich damit machen kann, es ist mein Geld mein Eigentum und ich will will mir von keiner Firma/Konzern vorschreiben lassen was ich damit tun darf oder nicht. Gleiches Beispiel XBox von Microsoft. Ich benutze meine XBOX nur noch im MOD-Modus da ich sie so benutzen kann wie ich will.

    Ein guter Punkt den Du da angesprochen hast ist die Unsicherheits seitens der Entwickler, da setzt 2 Enwickler für 2-3 Monate hin um eine Anwendung zu schreiben und dann bekommst eine Absage von Apple …. find ich total sch…. mir haben die 2 Entwickler für 2-3 Monate ECHTES Geld gekostet und die schmeisst mir Apple dann auf den Müll. Eine richtige Sauerei und Kostenfalle für Entwickler.

    Gruss Joachim

  1. September 27th, 2008 at 23:08 | #1
  2. October 12th, 2008 at 10:44 | #2
  3. January 4th, 2009 at 10:06 | #3